Die Ausstellung des „Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2017“ ist ab dem 29. Juni im MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main im MMK3 zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten der vier Finalisten Sophie Calle, Dana Lixenberg, Awoiska van der Molen sowie des Künstlerduos Taiyo Onorato und Nico Krebs. Die mit 30.000 £ dotierte Auszeichnung wurde am 18. Mai 2017 in der Photographers’ Gallery in London an Dana Lixenberg für ihr Projekt „Imperial Courts“ verliehen.

Die diesjährige Auswahl der vier Künstler umfasst unterschiedliche fotografische Ansätze, die die vielfältige Entwicklung des Mediums widerspiegeln. Alle Projekte zeigen die große Bandbreite innovativer Ansätze in der Dokumentar-, Landschafts- und Porträtfotografie. Die Ausstellung wird bis 17. September 2017 im MMK3 präsentiert.

„Nach dem großen Erfolg der Ausstellung in der Photographers‘ Gallery in London freuen wir uns sehr, dass der Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2017 im MMK als einem der bedeutendsten Museen der Gegenwartskunst zu sehen ist. Die Auszeichnung ist in ihrem 20. Jubiläumsjahr auf internationaler Tour und wird anschließend in der Aperture Foundation in New York erstmals auch in den USA gezeigt“, sagte Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation.

„Wir freuen uns sehr, erneut die Finalisten dieses international renommierten Preises bei uns im Museum zeigen zu können. Die Ausstellung passt perfekt zu unserem Sammlungsschwerpunkt im Bereich der Fotografie, der schon seit der Eröffnung des MMK 1991 immer wieder die Schnittstellen zwischen künstlerischer Fotografie und Dokumentarfotografie auslotet. Der künstlerisch-subjektive Blick auf das Globale, den die Fotografie befördert, ist prägend für die internationale Ausrichtung unseres Museums“, sagt Peter Gorschlüter, stellvertretender Direktor des MMK.

Der Deutsche Börse Photography Foundation Prize feiert in diesem Jahr sein 20- jähriges Bestehen und wurde 1997 von der Londoner Photographers' Gallery ins Leben gerufen. Seit 2005 wird die Auszeichnung jährlich in Zusammenarbeit mit der Gruppe Deutsche Börse verliehen. Seit 2016 wird der Preis gemeinsam mit der Deutsche Börse Photography Foundation vergeben, einer gemeinnützigen Organisation, die sich dem Sammeln, Ausstellen und Fördern zeitgenössischer Fotografie widmet. Der international renommierte Preis wird an einen lebenden Fotokünstler beliebiger Nationalität vergeben, der im Zeitraum vom 1. Oktober 2015 bis 30. September 2016 in Form einer Ausstellung oder Publikation einen bedeutenden Beitrag zum Medium Fotografie geleistet hat.

Die Künstler

Sophie Calle widmet sich in ihrer sehr persönlichen Arbeit „My mother, my cat, my father, in that order“ (2017) der Beziehung zu ihren Eltern und ihrer Katze, ihrem Verlust und dem Einfluss der drei auf ihr Leben. Die Fotografien zeigen scheinbar alltägliche Objekte, die für Calle mit einem hohen emotionalen Wert verbunden und eng mit Erinnerungen an ihre Familie verknüpft sind. Begleitet von kurzen Texten zeigen die Bilder die Zerbrechlichkeit des Lebens und die Vergänglichkeit von Beziehungen. Die in der Ausstellung präsentierte Arbeit „My mother, my cat, my father, in that order” ist Sophie Calles jüngstes Werk, es reflektiert sowohl ihr Leben als auch ihre Karriere.

Dana Lixenberg wurde für ihre Publikation „Imperial Courts“ (Roma, 2015) ausgezeichnet. Diese Arbeit ist ein komplexes Gesamtportrait über die afroamerikanischen Bewohner von Imperial Courts, einem staatlichen Wohnprojekt in Watts, Los Angeles. Über einen Zeitraum von 22 Jahren dokumentierte Lixenberg Bewohner, von denen einige getötet wurden, andere verschwunden oder im Gefängnis gelandet sind. Außerdem fotografierte Lixenberg einige Personen im Kindesalter sowie erneut, als diese selbst bereits Kinder hatten. Später begann Lixenberg während ihrer Besuche die Reaktionen der Bewohner auf ihre Bilder in Audioaufnahmen festzuhalten und fing auch an mit bewegten Bildern zu arbeiten. Das so entstandene Material zeigt sowohl die alltäglichen Banalitäten als auch die subtilen Kräfte, die das Leben in Imperial Cours bestimmen. Als weitere Ergänzung zu dem Projekt entstand eine multimediale Website (www.imperialcourtsproject.com), die eine komplexe und bewegende Darstellung des Stadtteils im Zeitverlauf ist.

Charakteristisch für die in der Ausstellung präsentierten Arbeiten von Awoiska van der Molen sind abstrakte Schwarzweißfotografien in unterschiedlich großen Formaten. Die niederländische Künstlerin wurde für ihre Ausstellung „Blanco“ im Foam Fotografiemuseum, Amsterdam (22. Jan. bis 3. Apr. 2016) nominiert. Van der Molen widmet sich dem Genre der Landschaftsfotografie und reist dafür von Japan über Norwegen bis Kreta. Dabei untersuchte sie die Identität eines Ortes sowie seine spezifischen emotionalen und physischen Merkmale. Die facettenreichen Kompositionen verschieben zunehmend die Wahrnehmung von Raum, Distanz und Zeit: Küstenlinien, Bäume, Felswände, Blattwerk und Berge laufen scheinbar zusammen und wieder auseinander, absolut still und reglos und doch voller Leben. Die großformatigen Silbergelatineabzüge tragen weder Titel noch Ortsangaben und spiegeln die persönlichen Erfahrungen der Künstlerin an den jeweiligen Orten wider.

Taiyo Onorato und Nico Krebs zeigen mit „EURASIA“ ein Projekt, welches im letzten Jahr im Fotomuseum Winterthur (24. Okt. 2015 – 14. März 2016) zu sehen war. „EURASIA“ nutzt auf spielerische Weise die Ikonographie eines Road Trips, die sich aus dem Erfahrungsschatz von Erinnerung und Imagination speist. Die Reise von Onorato und Krebs beginnt 2013 in der Schweiz, verläuft durch die Ukraine, Georgien, Aserbaidschan, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan und Russland und endet nach drei Jahren und 17.000 km in der Mongolei. Im Laufe dieser Reise trifft das Duo auf Landschaften und Menschen, die sich in einem ständigen Wandel von uralten Traditionen und postkommunistischen Strukturen hin zur Moderne und Bildung einer unabhängigen Identität befinden. Unter Einsatz einer Vielzahl analoger Medien und Techniken – darunter 16mm-Filme, großformatige Plattenkameras und installative Elemente – schaffen Onorato und Krebs ein Werk, das ebenso Fiktion wie Dokumentation ist.

Die Jury für den Deutsche Börse Photography Foundation Prize 2017 setzt sich zusammen aus:

Susan Bright, Kuratorin; Pieter Hugo, Künstler; Karolina Lewandowska, Kuratorin für Fotografie am Centre Pompidou Paris; Anne-Marie Beckmann, Direktorin der Deutsche Börse Photography Foundation; sowie Brett Rogers, Direktorin, The Photographers’ Gallery als Jury-Vorsitzende ohne Stimmrecht.

 


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