Startups erweitern mit neuen Technologien und Services das Spektrum der Imaging-Branche.

Der Photoindustrie-Verband (PIV) unterstützt mit seiner Startup-Initiative junge Unternehmen mit zielgerichteten Informationen und dem Know-how des eigenen Netzwerks. Im Rahmen dieser Initiative veranstaltete der PIV einen Expertentalk, um exemplarisch zu zeigen, wie neue und etablierte Firmen kooperieren können. Mit dabei waren Markus Elsässer (Gründer und Verleger StartupValley Magazine), Dr. Reiner Fageth (Vorstandsmitglied CEWE) sowie Konstantin Kurz und Max Bäumle (beide Mitgründer und Software-Entwickler Osmako).

Bei der Gründung eines Startups sorgen sogenannte “Acceleratoren” („Beschleuniger“, meist Institutionen) und “Incubatoren” (Institutionen, Unternehmen etc.) dafür, dass ein Jungunternehmen in der Anfangsphase schneller wächst. Dabei werden neben Wissen, Coaching und Netzwerk auch Arbeitsplätze sowie Ressourcen zur Verfügung gestellt. Beim Inkubator kommen die Ideen meist “von innen”, beim Accelerator über externe Gründerteams. Während ein Accelerator vorrangig das Ziel verfolgt, das Wachstum eines Startups durch Know-how und Ressourcen innerhalb kürzester Zeit voranzutreiben, steht beim Inkubator die Schaffung neuer, kreativer Ideen für das Startup im richtigen Tempo im Vordergrund.

Reiner Fageth: „Wenn man in ein Startup investiert, kann man es nicht einfach so laufen lassen. Die Gründer müssen performen, Perspektiven und Visionen haben. Allerdings ist vom Management her die Kompatibilität von mittelständischen Unternehmen zu Startups nicht immer gegeben. CEWE ist an diversen Startups zwischen 10 und 100 Prozent beteiligt. (…) Für uns zählt das Gründerteam mehr als die Idee. Es muss passen und kompatibel sein, wie etwa bei Cheerz, an dem wir uns mit 80 Prozent beteiligt haben. Aber da sitzt auch konstant jemand aus unserem Management in deren Geschäftsführung.“

Ein Startup aus der Imaging-Branche und ganz am Anfang seiner Firmengeschichte ist Osmako, das beispielhaft für viele andere Jungunternehmen an der PIV Expertenrunde teilnahm. Ihr Ziel: Nicht weniger als eine neue Mittelformatkamera zu entwickeln, zu bauen und erfolgreich im Markt zu platzieren. Die ersten Erfahrungen fasst Konstantin Kurz zusammen: „Es ist am Anfang nicht leicht, den Fuß in die Tür zu bekommen und mit so einer Idee ernst genommen zu werden. Trotzdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass große Unternehmen gegenüber Startups grundsätzlich sehr aufgeschlossen sind. Denn wir stehen in der Imaging-Branche vor einem großen Umbruch und keine der etablierten Unternehmen möchte etwas verpassen. Für die ersten Gespräche mit Etablierten hat uns der PIV als Vermittler sehr geholfen.“

Auf die Frage, wie man auf die ambitionierte Idee kommt, eine neue Kamera zu entwickeln, sagt Konstantin Kurz: „Es ist durchaus reizvoll, eben nicht das nächste Digitalisierungsprojekt zu machen, sondern die Kompetenzen, die in den einzelnen Gründern vorhanden sind, zu kombinieren. Ein neues, einfaches Bedienkonzept ist eine Kernidee unseres Konzeptes. Aber ein zentrales Element einer Kamera ist und bleibt der Sensor. Diesbezüglich haben wir uns an einen großen und etablierten Sensorhersteller gewendet. Für uns stand dabei immer die Frage im Raum, die sicherlich auch viele andere Startups zu beantworten haben: Wie viel kann und darf ich anfangs preisgeben, um überzeugend zu wirken, ohne aber zu viel zu verraten, um die Idee später patentieren lassen zu können?“ Bis Oktober wollen die Jungunternehmer einen integrierten Prototypen ihrer Kamera bauen. „Im Idealfall finden wir einen strategischen Investoren, weil er uns beim Marktzugang, Vertrieb und mit weiteren Partnern helfen kann.“

Markus Elsässer weiß: „Ein strategischer Partner, der Geld und Netzwerk bringt, ist Gold wert. Ich rate dazu, Klinken zu putzen, zu Pitch-Events gehen und nach einem passenden Investor Ausschau zu halten.“

Wie aber kommen mittelständische Unternehmen an geeignete Startups? CEWE Manager Fageth: „Wir machen das zweigeteilt. Einerseits sind wir an zwei Fonds beteiligt, die unterschiedlich positioniert sind. Damit bekommen wir den kompletten Dealflow mit. Und wir schauen uns die Entwicklungen des Marktes an, welche Trends es gibt. Gibt es Anknüpfungspunkte zum Imaging? Gibt es Matches in Bezug auf die Kernkompetenzen von CEWE wie Datenmanagement, Internethandel, Kundenkontakt in den europäischen Handel? Punkt zwei der Startup-Suche betrifft die Imaging-Branche selber. Jeder in unserem sechsköpfigen Vorstand schaut, was es Neues und Interessantes gibt und stellt das den Kollegen vor. Wenn das Unternehmen dahinter dann überzeugend ist, machen wir ein Investment.“

Was aber noch nicht heißt, dass die Zusammenarbeit dann auch funktioniert: Oftmals, so Elsässer, fühlen sich Investoren nicht genug in Entscheidungen eingebunden und anders herum fühlen sich Gründer oftmals bevormundet und durch den Investor in ihrer Entscheidungskraft eingeschränkt. Entscheidender Erfolgsfaktor, da sind sich die Experten einig, ist das Gründerteam. Aber auch Gründer müssen umgekehrt abschätzen, ob der Investor oder Business Angel zu ihnen passt. Reiner Fageth weiß: „Strategische Partner werden klare KPIs vorgeben, als Venture Capitalist zählen eher Meilensteine. Zwischen den Milestones hast du als Gründerteam relativ viele Freiheiten, da fragt keiner nach KPIs. Grundsätzlich ist man bei einem Strategen auskunftspflichtiger als beim Venture Capitalist.“

Über ihre Zukunft im Allgemeinen und in drei Jahren im Konkreten befragt, haben die Experten unterschiedliche Perspektiven. Osmako würde in drei Jahren „gerne die Kamera schon auf dem Markt etabliert und die Plattform auf ein weiteres Modell skaliert haben. „Das ist eine Vision, die ambitioniert ist“, so Max Bäumle von Osmako. Welche Rolle spielen Startups in Zukunft bei CEWE? Reiner Fageth sagt grundsätzlich: „Es ist extrem wichtig, mit jungen und dynamischen Unternehmen zusammenzuarbeiten und gemeinsam Businessmodelle zu entwickeln. Wenn du nicht mit Startups zusammenarbeitest, schneidest du dir ein gewisses Maß an Kreativität und Innovation ab.“

Markus Elsässer ist bezüglich der Zukunft von Startups in Deutschland grundsätzlich optimistisch: „Ich denke, dass die Startup Community kräftig weiterwächst. Es entstehen überall in Deutschland Gründerzentren und es gibt sehr viele Firmen, die ein Interesse haben, in Startups zu investieren. Es wäre ganz fantastisch, wenn einer der nächsten Global Player aus Deutschland kommen würde. Das Potenzial dazu haben wir: Eine gute Wirtschaft, gute Unternehmen, gute Studenten und innovative Startups.“ Die Regierung, so Elsässer, muss aber noch an verschiedenen Hebeln unterstützend tätig werden. Schaut man beispielsweise auf die neue Datenschutzgrundverordnung, so ist das für kleine Unternehmen, die keine eigene Rechtsabteilung haben, ein echtes Problem. Wird Verordnung aber nicht eingehalten, können die Kosten für einen Rechtsanwalt so ein Startup schnell finanziell ans Ende bringen. Da wäre laut Elsässer eine vorgegebene Standardverordnung sinnvoll, die eingehalten werden muss, bis nach einem gewissen Zeitraum genug Geld da ist, um die Verordnung gänzlich umzusetzen. Das gilt seiner Meinung nach auch für IHK-Rechnungen, Vorsteuer und so weiter: „Das Ganze könnte man für eine gewisse Zeit ruhen lassen, um den Startups den Start zu erleichtern. Und das nicht nur finanziell gesehen, sondern auch bezüglich der Zeit, die für die Umsetzung dieser Dinge investiert werden muss.“

Vielleicht kommt ja der nächste Startup-Star aus deutschen Landen? Expertentalk-Gastgeber Christian Müller-Rieker, PIV Geschäftsführer, sieht die Branche und die PIV Startup-Initiative jedenfalls auf einem guten Weg: „Die Startup-Initiative trägt jetzt erste Früchte, weil wir schon vor einigen Jahren erkannt hatten, dass unsere Industrie, die aus einem geschlossenen Ökosystem kam, sich öffnen wird. Wir haben auch klar erkannt, dass der Dialog immens wichtig ist, gerade wenn man aus so einer geschlossenen Imaging-Branche kommt. Wir wollen als Verband auch in Zukunft der Impulsgeber sein, um aus diesem geschlossenen ein neues, freies Imaging Ökosystem zu entwickeln, das prosperiert und wächst. Das ist wie eine Frischzellenkur für unsere Branche. Dafür müssen wir Anreize geben und Plattformen wie die Startup-Initiative entwickeln, da es ja sonst keine vergleichbare Institution in der Branche gibt. Wir freuen uns auf weitere starke Kooperationen zwischen Startups und etablierten Unternehmen und werden als PIV alles tun, um diese neuen Formen der Kooperationen weiter zu fördern.“

 

 


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